Samstag, 23. September 2017

Eins und eins das macht: Pilz-Flammkuchen mit Petersiliencrème


Was macht man mit einem einzigen, prächtigen Steinpilz und einer kleinen Hand völler Pfifferlinge - hier ergibt eins und eins eindeutig einen Flammkuchen.

Zugegeben sind die Pilze keine selbsterspürten Waldfindlinge, sondern lediglich erbeutete Markttrophäen. Angeblich sollen sie in Frankreich gefunden sein, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupte ich, dass sie nicht aus der Regionen stammen: VIEL zu trocken unser Klima, seit Wochen und immernoch. Aber der Versuchung, uns etwas Richtung Herbst zu schlecken, konnte ich einfach nicht widerstehen.

Eine große Überraschung stellte Julianes fernsehtauglichen Flammkuchenteig dar. Ein Blitzteig par excellence, der ohne Hefe auskommt, geschwindig zusammengeknetet und anschließend keine nennenswerte Ruhezeit zugeteilt wird. Und verblüfft muß ich zugeben: er schlägt wunderbar Blasen, ja er wird so super, dass ich geneigt bin, von einem DUBB zu reden - ein seither unentdecktes und völlig unterschätztes Rezept. So überzeugend, dass er meine seitherigen Flammkuchenteige tatsächlich überflügelt.


 Zutaten 1 Flammkuchen von ca. 26cm Durchmesser:

80g Mehl (m: T65)
30g Einkorn-Vollkorn
1/2 TL Salz
1 EL Olivenöl
60ml Wasser 

1 schöner Steinpilz
1 handvoll Pfifferlinge
3 EL Crème fraîche
2 EL Petersilie, fein gehackt
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
1 kleine, rote Zwiebel, fein gehackt
2 EL Comté-Würfel 
Olivenöl

Zubereitung:
 
Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz und das Öl mit 60ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen.

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°).

Pilze putzen, den Steinpilz in Scheiben schneiden, die Pfifferlinge je nach Größe etwas kleiner. In einer heißen Pfanne zuerst die Steinpilzscheiben kurz rösten und zur Seite stellen, dann ebenso mit den Pfifferlingen verfahren. Die Crème mit der Petersilie vermengen, salzen, pfeffern und mit Piment würzen.

Den Flammkuchenteig schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Crème bestreichen, den Pilzen belegen, mit Zwiebelwürfel und Käsestückchen bestreuen. Den Flammkuchen im heißen Ofen knusprig braten.



*Denken schadet der Illusion* singt Hildegard - könnte bei Wahlen aller Art nicht schaden. Mich persönlich würde ja sehr erfreuen, wenn Politiker mal nicht nach ihren Worten, sondern ihren Taten beurteilt würden. Zweifelsohne brächte das automatisch viel Veränderung mit sich... konsequenzhalber. Dafür allerdings müßte man vorher gut zuhören und eine dementsprechende Erwartungshaltung aufgebauen. Oder man nimmt halt die Illusion...




Mittwoch, 20. September 2017

Das Schusterbrot: Emmerbrot mit Kartoffeln, Kefir und Quinoa-Pops


An den Tagen, auf den ich auf meiner Unterlippe nage, vor mich hin grummle und über die weitverbreitete Schlechtigkeit von überhaupt allem referiere, dann erinnert mich der Habib an DEN Schuhputzer. 

Als Quergeschichte muß ich an dieser Stelle einschieben, wie hoch ich an einer innigen, langjährigen und vertrauten Beziehung schätze, dass man sich zusammen eine eigene Sprache erlebt. Stichwörter, die man sich zuzuwerfen vermag, die für Aussenstehende überhaupt keinen Sinn ergeben, entfalten sich vor dem geistigen Auge des Eingweihten zu einem exklusiven Gefühlskino.

So wie es mir eben ergeht, wenn der Habib von *dem Schuhputzer* redet. Ich glaube, es war unsere zweite gemeinsame Reise. Nach Ägypten. *Die Pyramiden*, meinte mein Habib, *muß jeder mal in seinem Leben gesehen haben* (er besuchte sie mit mir zum vierten Mal). Und ich stehe mal wieder ganz an der Seite meines Habibs: allein das Ägyptische Museum in Kairo revolutionierte meinen Kunstgeschichtsunterricht. So wurde mir bis dato beispielsweise beigebracht, dass die Griechen die Erfinder der Glasaugen von Skulpturen gewesen wären... halt nach den Ägyptern - wie ich nun weiß...

Aber ich schweife ab. Der Schuhputzer. Mitten in der trubeligen Innenstadt von Kairo rauchte ich mit dem Habib eine Shisha. Und vor eben diesem kleinen Café saß er, der Schuhputzer, mit seinem allerkleinsten Einzelhandelsgeschäft und polierte das Leder fremder Schuhe. Mit schillernden Augen, leuchtend vor Lebenslust und ansteckender Lebensfreude. Und dabei derart in sich und seiner Würde ruhend, dass die Luft um ihn nur so funkelte. Der Inbegriff von Zufriedenheit. In der Gesellschaftshierachie ganz weit unten - in der Herzensbildung ganz weit oben. 

Wohlstand? Habseligkeiten? Pfffhh, er kann sich morgens noch nicht einmal erlauben, darüber nachzudenken, wie er sich so fühlt - im Speziellen wie Allgemeinen. Wenn er nicht arbeitet, wenn er nichts verdient, dann bleibt er hungrig. Möglicherweise seine Familie auch. Es beschämt mich stets und im Gegenzug komme ich mir vor wie ein degeneriertes Kapitalisten-Weichei... Dann blicke ich rüber auf die Fotographie, die bei uns im Wohnzimmerschrank hängt und bin froh, dass der Habib *unseren Schuhputzer* als Bild festgehalten hat. Ein Abglanz der Wirklichkeit, aber immerhin...

Brav höre ich auf zu mümmeln und holt mich mit dem Backen von Brot wieder auf den Boden der einfachen Tatsachen. Und einnehmend duftet nachher die ganze Wohnung nach dem frischen Brot - ein Geruch, der zu den Top Ten meiner Lieblingsdüften zählt. Bei dem Rezept hielt ich mich schön an Altbewährtes: Emmer, Kartoffeln und Kefir in der Zutatenliste, obendrein eine gute Dosis Quinoa-Pops und voilà: ein saftiges Brot mit krachender Kruste!


Zutaten 2 Laiber à 750g:

Weizen-Sauerteig: bei ca. 22° 12-16 Stunden
130g Weizen 1050 (m: T110)
160g Wasser
12g Anstellgut, aufgefrischt

Hauptteig:
Sauerteig
300g Emmer-Vollkorn
225g Weizen 820 (m: T80)
60g Roggen-Vollkorn
160g Weizen 550 (m: T65)
150g Kefir
300g Kartoffeln, gekocht
350g Wasser
17g Salz

+60ml Wasser
75g Qunioa-Pops

Zubereitung:

Alle Zutaten außer dem Salz, dem Quinoa-Pops und den 60ml Wasser kurz verkneten und 30 Minuten zur Autolyse stehen lassen.

Dann das Salz beifügen, und schluckweise während des Knetens die 60ml - ca. 12 Minuten. Erst die letzten 1-2min vor Knetende die Pops dazufügen.

Teigruhe 2 Stunden, dabei 2 Mal nach je 40 Minuten falten. Den Teig auf eine gut bemehlte Fläche gehen, teilen, zu zwei länglichen Teiglinge formen und in Gärkörbchen verfrachten.

Dann Gare nach Wunsch, bzw. nach Temperatur: 12-15 Std. bei 5-7° im Kühlschrank oder ca. 2-2,5 Std. bei 20-25° 
m: 4 Stunden im Kühlschrank und anschließend eine gute Stunde bei Zimmertemperatur (oder direkt aus dem Kühlschrank in den vorgeheizten Ofen).

Bei 240° mit viel Feuchtigkeit einschießen und fallend auf 180° 50 Minuten backen. Dann auf Heißluft umschalten und 5 weiter Minuten bei leicht geöffneter Backofentür knusprig backen.

Sonntag, 17. September 2017

Mottogerecht: Basilikum-Pici mit cœur de bœuf-Sugo

*Weißt du*, sagt eine Freundin zu mir, *ein Motto von mir war lange 'Das Leben ist schön'. Aber je älter ich werde, muß ich vor mir eingestehen: 'Das Leben ist nicht schön'.

Und wir schauen uns dabei ohne jede Bitterkeit an und ich nicke. Stimmt. Das Leben ist nicht schön. All das Leid und Elend, die Kriege und Auseinandersetzungen, die Krankheiten und Verletzungen. Mit einem *Tal der Tränen* wurde die Erde im Mittelalter verglichen oder auch das Jammertal genannt.

Im krassen Widerspruch steht die Werbung, die zum Konsumieren anregen soll. Junge, schöne, fröhliche Menschen und alle *Fit for Fun*. Als wäre ein menschlicher Lebenszyklus ein einziges Fest. Ein Partyhopping von Feiertag zu Feiertag. Komisch eigentlich, dass diese Bilder überhaupt greifen. Vielleicht weil man zu gerne glauben möchte, dass das Leben wirklich eine Aneinanderkettung von glücklichen Momenten ist.

Vielleicht verdrängt man auch zu gerne, wie ausgeliefert man doch Schicksalsschlägen gegenüber ist. Hungersnöte, Naturkatastrophen, Unfälle, Lügen, große und kleinen Enttäuschungen, zerbrochene Träume, das Mühen und Scheitern, das Abgrenzen und Durchsetzen, die Einsamkeit, Trauer und Liebeskummer - ach, die Liste ist endlos. *Aus der Kriegsschule des Lebens – Was mich nicht umbringt, macht mich härter* - der alte Nietzsche Spruch. Und ja, ich glaube, das ist möglicherweise das Entscheidende: stärker, mutiger, kräftiger werden, um auszuhalten, was das Leben so für einen bereit hält. So irgendwie, oder?

Und den Kopf immer ein bißchen gen Nacken ziehen - in Demut... wissend, dass das Leben jederzeit zum Schlag ausholen kann. Ein Satz, der mir auch sehr gut gefällt: Im Glück nicht übermütig werden, im Unglück nicht verzagen. Tja, und zusätzlich noch das Gute im Kleinen nicht aus den Augen verlieren. Es bleibt ja nichts, den Lebensmut darf man nicht verlieren. Für dieses eine Leben sind wir angetreten

Wenn ich triste bin, menschenmüde, dann koche ich mir die Welt mit Pasta ein bißchen schöner. Gepflegter Eskapismus - was wären wir ohne ihn. Und da ich dem Rausch abgeschworen habe (nie verstehe ich besser, warum so wenig wieder vom Alkohol lassen können), bleibt mir nur unser Schneckenhaus samt Garten als Rückzug und die Natur als Seelentröster samt ihrem Schöpfer. Aus ihrem spätsommerlichen Garten bediene ich mich heute wieder: an immer noch prächtigen cœur de bœuf-Tomaten bereit ich ein Sugo zu und aus einem ganzen Feld von Basilikum werden Pici gebastelt. So gehts gleich wieder besser - ihr wißt ja, und wenns nur ein Jota ist - ça suffit!


Zutaten 2P:
 
Pici:
180g Mehl
60g Basilikum
60g Spinat (m: pousse d'épinard*)
Salz
Wasser

Sugo: 
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 Lorbeerblätter
1 Zweig Rosmarin
3 Zweige Thymian
1kg cœur de bœuf-Tomaten
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
eine Prise Zucker
Olivenöl 

geriebener Parmesan zum Servieren

Zubereitung:

Für die Pici den Basilikum und Spinat mit dem Mehl im Mixer pürieren - was bei mir problemlos ging. Um einen homogenen Pastateig, der an Knetmasse erinnert zu erreichen, eventuell noch etwas Wasser hinzufügen. Zum Formen der Pici auf einer leicht bemehlten Arbeisfläche ca. 2 cm große Teigbällchen abnehmen und zu langen grünen Würstchen von etwa 2-3mm rollen. Pici auf einem sauberen, bemehlten Küchenhandtuch zwischenlagern.

Die cœur de bœuf-Tomaten  in Würfel schneiden. Die Zwiebel und den Knoblauch fein hacken. Die Zwiebel in Olivenöl glasig andünsten ohne Farbe annehmen zu lassen, kurz vor Ende den Knoblauch mitrösten. Die Tomaten und die Kräuter hinzufügen und bei offenem Deckel bei kleiner Hitze geduldig sämig einkochen. Wenn das Sugo die gewünschte Konsistenz erreicht hat, die Tomaten durch die flotte Lotte drehen (dank den Pektinen von Kernen und Haut der Tomaten, die mitgekocht werden, erhält das Sugo einen tollen Schmelz). Das Sugo nochmals abschmecken und warm stellen.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Pici darin al dente garen. Abschütten und unter das Sugo mengen. Mit geriebenem Parmesan servieren.

*Anmerkung m: ich habe dem Basilikum hälftig Spinat zur Seite gestellt in den Pici, um das Grün zu erhalten. 

Donnerstag, 14. September 2017

Blog-Buster: Honig-Nuss-Feigen-Tartelettes mit Bleu und Topfenblätterteig

Was war ich mir sicher, dass Feige auch *die Honigfrucht* genannt wird. Aber kein Mensch und keine Suchmaschine wollten mich bestätigen. Ich fürchte, die Wette hätte ich verloren. Aber nich, ihr wisst, was ich meine? Gibt es eine Frucht, die honigsüßer schmeckt wie die Feige? Eben! Ich komme ja nicht einfach so auf solche Ideen...

Genau diese Lieblichkeit wollte ich verstärken durch das Topping: in Honig eingelegte Walnüsse. Dabei handelt es sich um das langgehütete Mitbringsel von lieben Feriengästen mit eigener Imkerei (coucou - wir freuen uns auf euch!) Honig - das Gold der Natur!

Jeden Morgen beginne ich mit einem Teelöffel Honig begleitend zu unserem Porridge (schon gut, ich verlinke es jetzt nicht schon wieder). Selbst beim klassischen Heilfasten wird der Tag mit einem Löffel Honig begonnen - zum einen als kräftigenden Start, zum anderen wegen seiner Heilwirkung! Und habt ihr diese hübschen, rotschaligen Walnüsse bemerkt. Kein Wunder, dass ich mir den Schatz zu einem besonderen Anlaß aufhob.

Feigen sind ja eigentlich fast ZU süß, also zuviel des Guten. Überzuckrig. Wieso ich Feige am liebsten ein salziges Widerlager gegenüber stelle: Käse. Einer der Klassiker dazu kennt jeder, den Bleu. Ich habe den *fourme d'ambert* gewählt, weil er mein liebster Blauschimmel-Käse ist. Zu guter letzt - neben Schärfe (Chili) und Kraut (Rosmarin) fehlt noch der Boden.

Gerade unter den Ösi-Foodies ist dieser eine olle Kamelle, und zwar eine extrem beliebt: der Blitz-Blätterteig oder auch Topfenblätterteig genannt. Katha hat dazu eine anschauliche Versuchsreihe unternommen, der rein nichts mehr hinzuzufügen ist. Und was ein derart beliebtes Rezept ist, das wird bei mir - ihr wißt es - Blog-Buster genannt. Nicht überraschend bringen solche Rezepte immer gute Ergebnisse. Meinen Blätterteig überflügelt er zwar nicht, aber er ist durchaus eine Alternative, wenn man sich nicht (warum auch immer) an richtigen Blätterteig traut.

Bref: setzt man hier alles zusammen, dann ergibt das eine wunderbare Vorspeise!


Zutaten 8-9 Stück:
Vorspeise für 4P

Topfenblätterteig aus
125 Mehl
125g Quark
125g Butter 
1/4 TL Salz

8 Feigen (je nach Größe)*
100g fourme d'Ambert
1 Chili
1 EL Rosmarin, fein gehackt
Pfeffer
8 Walnusshälften in Honig*

(begleitend: grüner Salat)

Zubereitung:

Die Butter mit der Reibe grob raspeln (oder händisch in kleine Stücke schneiden). Alle Zutaten - Mehl, Quark, Butter, Salz - zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Eingewickelt im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen. Dann zwei Touren geben - s. Blätterteig

Den Ofen auf 200* Umluft vorheizen zusammen mit einem Backblech.

Den Topfenblätterteig etwa 0,5cm dick auswellen und Kreise von etwa 5cm Durchmesser ausstechen, auf Backpapier und ca.8min backen. Dann rausholen, mit dem gewürfelten Bleu belegen und mit Rosmarin bestreuen und weitere 7min backen.

Vor dem Servieren die Feigen-Scheiben darauf setzen, mit den Nüssen samt Honig krönen und mit Chili und Pfeffer würzen. Zusammen mit einem Salat servieren.

*Anmerkung m: unsere Feigen aus dem Garten ist eine kleine Frucht, die nicht geschält werden muß. Ihr wählt die Früchte, die euch in die Hände fallen - und paßt die Menge entsprechend ihrer Größe an




Hier in der Drôme steht fast in jedem Garten ein Feigenbaum - er gehört hier zum Landschaftsbild. Und Feigen schmecken nun mal wie die meisten Beeren direkt vom Baum am allerbesten. Außerdem finde ich, dass Feigen unglaublich fotogen sind. Nichts leichter, als ein Gericht mit Feigen zu fotographieren. Einer unserer Feigenbäume steht direkt vor dem Schlafzimmerfenster. Mit geschlossenen Augen erkenne ich deshalb leichterdings einen Feigenbaum: am papierneren Geraschel seiner Blätter. 

Für euch ein Bonus mit meinen liebsten Feigenrezepten:



http://salzkorn.blogspot.fr/2014/09/feige-ubersicht-zur-erinnerung.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2016/10/eingepackt-feigentarte-mit.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2015/08/optimierung-pasta-mit-feige-gorgonzola.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2013/09/beziehungsfahig-kartoffeltaler-mit.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2013/10/niemals-lakritze-aber-salat-mit-fenchel.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2015/09/purpurrotes-schlecksel.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2013/10/ni-lun-ni-lautre-gepfefferte.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2012/09/feigensenf-zum-kase-oder-etwa-zum.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2012/10/bleib-noch-herbst-salat-mit.html

Dienstag, 12. September 2017

12 von 12 - Sep '17


Früher habe ich den Tag damit begonnen, in den Spiegel zu schauen, heute blicke ich stattdessen talwärts - mit wohltuenden Rückkopplungseffekten. Ich spiegle mich in der Natur und nicht in mir selbst. Dicke Empfehlung für alle mit *resting bitchface-Problem*


Frühstück ist hier schon ewig ritualisiert - wer hier mitliest, weiß wovon ich spreche. Direkt danach wird uns Holz geliefert: 5 Ster- 50cm -Eiche/Buche. Die Tagesaufgabe wäre damit klar - Bootcamp *Landleben*


Wir springen dennoch morgens kurz auf den kleinen Markt in Crest. Der Erdbeerdealer wartet mit einer Hiobsbotschaft auf, dem Ende der Erdbeerzeit! Das Wahrzeichen der Stadt im Hintergrund ist übrigens ein Wehrturm - erbaut als Schutzburg für die Bevölkerung. Was zum einen eine Seltenheit darstellt und zum anderen eine kleine Sensation ist: er ist der größte in ganz Frankreich! (um hier mal mit unseren lokalpatriotischen Pfründen zu kleppern)


Warum sollte ich ernsthaft Baguettes backen wollen, wenn es so formidable Bäckereien gibt wie die Boulangerie Fouraison. Und wer den *Ofen* (*four*) schon im Familienamen verborgen hat, der kann nicht anders als die herrlichsten Baguettes zu fabrizieren. Zum Morgen-Café hole ich uns allerdings zwei Croissants (wobei ich stets einen Großeinkauf dort starten könnte)


Vorbei beim Nachbarn um unsere Eier abzuholen - eigentlich ideale Arbeitsteilung, wenn andere die Pflicht übernehmen und wir die Kür. Eine identische Reitbeteiligung brauche ich jetzt noch (ein Mal Bestellung gen Universum)...


Ein Spätsommertag mit meinen Lieblingswolken: die, die auf Halbmast hängen. Nur mehr regnen dürfte es. Das Jahr bleibt sich in seiner Trockenheit treu. Für Gartenarbeiten sind die Temperaturen aber gerade herrlich.


Beim Abräumen der ersten Beeten (die Auberginen sehen leider krankheitsbedingt fürchterlich aus) sticht mich eine Wespe in den rechten Arm (doof wegen meiner kleinen Allergie, aber bon, das gehört zum Landleben) und  eine Frau Alien, eine Gottesanbeterin kreuzt meinen Weg.


Die nächste Gartenbegegnung - Mme Erdkröte wirkt nicht sehr kontaktfreudig, viel eher zeigt sie sich die kleine Schönheit beleidigt gestört


Ich spiele kurz mit dem Gedanken, sie mit unserem Teichschmuckfroscherich zusammenzuführen, dem einsamen. Wir werben seit dem Frühling mit für eine Gefährtin - mittlerweile quakt er sogar. Auf wundersame Weise fiel  er vom Himmel (vergleicht mal, wie er gewachsen ist... naja, sieht man nich so suppi) - wir rätseln, wie er nur aus dem Nichts zu unserem Teich finden konnte?? Aber ich verwerfe mein Vorhaben - trotz verwandtschaftlicher Beziehungen haben sich schlicht kein Interesse füreinander. Und wer kann das besser verstehen als ich?


Was ist besser als Silikonbrüste? - echtes Holz vor der Hütte. Jaha , Jeckenalarm, uftaufta tätaräähhh.... Und dann werfe ich noch ein #Hanglage #richtiges Arbeitsgerät dazu. Und dass ich den Geruch von Holz einfach liebe!


Mehr 12 wie jeden 12ten (letzten Monat habe ich es mal wieder verpaßt) wie schon seit sehr langer Zeit bei Mme Kännchen.

Sonntag, 10. September 2017

Overkill: gefüllte Zucchini mit Anna-Kartoffeln und Bohnensalat


Wahlen in Deutschland und Frankreich in einem Jahr - ich fürchte, ich erleide einen unausweichlichen, politischen Overkill. So viele Plaudereien wie nie stranden bei politischen Themen. Und wiederkehrend muß ich feststellen, dass das Wir wächst, das die Scheinheiligkeit der Politik unerträglich empfindet - ein Eindruck, den schon der große, friedliche Protest in Hamburg gegen G20 demonstrierte. Nehmen wir als Gesprächsbruchstrück von unserem Tisch die Geschichte mit den Abgaswerten. Erstaunte nun nicht wirklich, dass die Autoindustrie dabei gefakt hat. Letztlich wie beim Benzinverbrauch - als hätten die Angaben je gestimmt. Who cares?

Das Auseinandertriften der Schere von arm und reich, die Verschmutzung der Meere, pestizidbelastete Böden, das Artensterben von Pflanzen und Tiere, ach, die ganz großen Themen - ich brauche hierzu noch nicht einmal Artikel verlinken. Wir WISSEN um diese Problematiken.

Oder kommt, wenn ich schon dabei bin: wie menschenverachtend ist denn bitte, einen Nebenschauplatz zu eröffnen, in dem sich alles um die Schlepperkriminalität dreht. Als wäre das die eigentliche Tragödie. Das Wesentliche ist und bleibt: hunderttausende Menschen sind auf der Flucht vor Elend, Leid und Tod. Und die Antwort, die die EU darauf findet, ist der Export-Verbot von Schlaubooten - und das Versenden von Kriegsschiffen. Mir fehlen die Worte vor Brechreiz!

Es berührt mich, wenn ich die Fränzis hier bei den Müllsammelplätzen beobachte. So lange sortiert man den Müll hier nämlich noch gar nicht - und es wird super angenommen und fleißig Papier von Flaschen von Plastik getrennt. Wie groß ist doch die Bereitschaft einer Mehrheit - muß ich in solchen Momenten immer wieder feststellen -  ihren Teil, ihren Beitrag zu leisten, sofern es in ihrer Macht steht, sofern Vorgaben gemacht werden.

Was wäre nicht alles möglich, oder?


Und dann fällt mir das alte Sprichwort ein: *Die Treppe wird von oben nach unten geputzt*. Von oben wird die grobe Richtung vorgegeben. Die oberste Treppenstufe eben.

Denn mir kommt die Galle hoch, wenn ich gebetsmühlenartig höre, alles liege in der Verantwortung des einzelnen Konsumenten! Das ist eine verdammte Lüge! Im Kleinen, im Detail mag das stimmen, aber für das große Ganze, hey EXAKT dafür gibt es Politik. Der Einzelne kann eben nicht bestimmen, wie das Bildungssystem funktioniert, wie sich das Gesundheitswesen gestaltet, was die Ernährungsindustrie in Massen für den kleinen Preis produziert, dass bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, kann wenig daran drehen, dass Arbeit familienkompatibel ist, dass öffentliche Verkehrsmittel wirklich ein Angebot darstellen oderoder....

Warum darf ich diese Erwartungshaltung nicht haben, dass Politikschaffende sich im Sinne des Allgemeinwohls darum kümmern. Und nein, nicht unter der Rubrik *Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft*. Die sind doch umgeben von einer Armada an *unabhängigen* Experten, die besitzen Einblicke in Fakten, die mir nicht zugänglich sind, sie haben vollberuftstätig die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Warum driften so viele Themen so offensichtlich in die falsche Richtung. Das kann UNMÖGLICH im Interesse der Allgemeinheit sein. Ich verstehe es nicht.

Jaja, ich weiß, jetzt wird mir vorgeworfen, ich bin destruktiv, kulturpessimistisch und solle doch selbst in die Politik, wenn ich denke, ich könne es besser. Aber vielleicht ist diese Wahrnehmung nicht alleine auf meinem Mist gewachsen. Sibylle Berg schrieb ähnlich in ihrer Kolumne (via Buddenbohm) und wirft die interessante Frage auf, warum sich Volksverantwortliche und Medien nicht öfters an beispielhaften Vorbildern orientieren. Das Gute, das Schule macht. Man könnte die Länder analysieren, denen die Bevölkerung wiederholt gute Lebensbedingungen aussprechen - wie Norwegen ... und nachahmen... Oder so...

Ich meine ja nur. Und mehr wird es von meiner Seite dazu auch nicht geben. Deutlich einfacher ist es, einfach nur über Geschmack, Aromen und Texturen zu schreiben. Da ist man fein raus aus allem. Und mitten drin im Genuß. Heute dem ganz einfachen Landgenuß (Gartenküche, wie ich sie liebe) samt seinem spätsommerlichen Gemüseangebot mit Zucchini und Bohnen bevor Kürbis und Kohl wieder das Ruder in die Hand nehmen...


Zutaten 2P:

2 runde Zucchini
100g Ziegenfrischkäse
2 EL gewürfelter Bergkäse
2 EL frische Kräuter
(m: Basilikum, Frühlingszwiebeln, Petersilie)
(optional: 1 EL Tomatenbutter)*
1 EL Semmelbrösel
Kräutersalz
Piment d'Espelette
Pfeffer 
Olivenöl


(begleitend: Bohnen-Tomaten-Salat)

Zubereitung:

Beginnend mit den Anna-Kartoffeln - die brauchen bei 200° (Umluft) - 45min im Ofen und damit 20min länger als die Zucchini. Ich habe die Kartoffeln in kleine runde Formen geschichtet.

Von den Zucchini das Stielende wie einen Hut abschneiden. Das Kugelinnere aushöhlen (geht am besten mit diesen 1Euro-Artikel-Melonenkugelausstecher, den man 2 mal im Jahr braucht - höchstens) und dabei eine Wand von etwa 1cm stehen lassen. Etwa ein Drittel des Zucchini-Inneren entsorgen (sonst wird es zuviel an Füllung), den Rest etwas kleiner hacken, leicht salzen, ca. 10min ziehen lassen und dann ausdrücken. Mit den restlichen Zutaten - Ziegenkäse, Bergkäse, Kräuter und Semmelbrösel - vermengen und mit Kräutersalz, Piment und Pfeffer abschmecken. Die Füllung in die ausgehöhlten Zucchini drücken und dabei eine kleine Haube formen - diese mit Olivenöl bepinseln. In eine ofenfeste Form setzen und für 25min zu den Anna-Kartoffeln in den Ofen schieben.

Bei uns gab es dazu Bohnensalat mit Kirschtomaten

*Anmerkung m: ich hatte noch einen Rest Tomatenbutter, die sich ausgesprochen köstlich als zusätzliche Würzung in der Füllung machte.

Quelle Anna-Kartoffeln: Eva von Kochpoetin

Donnerstag, 7. September 2017

Zu Tisch mit #8... FC


Als einsames, unglückliches Kind habe ich früh meinen Schuttle aus dem Jetzt und Hier entdeckt: das Lesen. Meiner Meinung nach ist nicht die Suche nach Bildung der Hauptbeweggrund um zu einem Buch zu greifen, sondern vielmer ist es der Wunsch der Umgebung, der Realität, dem Alltag zu entfliehen. Tja, und es funktioniert

*Man kann nicht alle Länder bereisen, man kann nicht alle Menschen kennen, wir plagen uns mit dem Altwerden, mit dem Kranksein, mit der Liebe, kein Buch auf der Welt kann das heilen, kann trösten, aber es kann drei Stunden ablenken. * sagt Elke Heidenreich, ebenfalls ein lesendes Kind -  und wir könnten uns nicht einiger sein

Mein Leseausweiß für die Bibliothek in der nächsten Kleinstadt war mein Sesam-öffne-dich ins Exil. Die Bibliothek war erst im Aufbau, sogar anfangs noch mittels Karteikarten sortiert und die Regale für Kinder überschaubar bestückt. Ich las wahllos alles, was man mir anbot - zwangsläufig kiloweise Enid Blyton.

Das erste Buch allerdings, das bei mir Epoche machte, glich einer Offenbarung. Und wurde zum gehüteten Schatz - ich besitze es bis heute. Als jungfräuliches Mädchen schuf mir Federica de Cesco - meinem heutigen *Zu Tisch mit-Gast* - genau zur richtigen Zeit eine Identifikationsfigur. Wie Toyo aus *Das Sternenschwert* wollte ich sein: mutig, unerschrocken, frei, geführt und verbunden mit Drüben, an die große Liebe glaubend und nach ihr suchend. *Seid stark, verdammt nochmal. Lebt eure eigene Freiheit ... * das ist die grundlegende Botschaft vieler ihrer Bücher (von denen ich allerdings nur einen kleinen Bruchteil gelesen habe s.o.). Zuletzt *Die Tibeterin* - ihr erinnert euch vielleicht. Und wer frei und selbstbestimmt sein will, muß Nein sagen können - meine Rede. «Es sollte eine tägliche kleine Gymnastikübung sein, den Kopf zu schütteln. Wer sich immer anpasst, von dem wird das mit der Zeit erwartet.» Man, ja heute speziell Frau, kann nicht oft genug die Kraft üben, Haltung zu zeigen der eigenen Selbstverantwortlichkeit zuliebe!

Die Schweizer Schriftstellerin Federica de Cesco ist mittlerweile 79 Jahre alt und hat unfassliche 85 Bücher geschrieben. Beeindruckend finde ich ihre Disziplin: bis heute schreibt sie täglich 3-4 Stunden. (by the way: ich bin eh davon überzeugt, dass Kreativität ohne Disziplin es zu nichts bringt). Vieles über das sie schreibt, lebte sie auch: sie schaute sich als Weltenbummlerin viele fremde Kulturen an (besonders die indigenen Völker) und ist seit nun 46 Jahren mit ihrem japanischen Mann Kazu verheiratet, mit dem sie nach eigener Aussage unzertrennlich Tag und Nacht verbringt. Das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe: *Ich kanns nicht sagen. Fügung. Glück. Wir reden andauernd miteinander.* Ihr Mann macht ihr ein zauberhaftes Kompliment: *Sie ist wie eine Oper*. Ach, ich mag treue Paare, die im Gespräch miteinander sind und neugierig auf die Welt! Und Federica de Cesco ist einer der Gründe, warum das so ist.

Riesig gefreut habe ich mich, als ich entdeckte, dass eine Dokumentation über sie gedreht wurde (einsehbar gestückelt hier bei Youtube). Leider konnte dieser Film so gar nicht meine Erwartungen erfüllen. Überraschend hingegen für mich, wie vielen jungen Mädchen es ganz ähnlich erging wie mir: in Federicas Büchern fanden sie Vorbilder - Frauenfiguren, die ihnen wie Wegweiser dienten, wenn es in dem eigenen Umfeld daran mangelte. Alle eint, dass sie sich dank Federica bestärkt fühlten, auf ihre innere Stimme zu hören. Zu schade finde ich, dass ihr dieser Film so gar nicht nahe kommt. 

Völlig andere Antworten hätten mich interessiert. Die Gelegenheit, bei einem gemeinsamem Essen nachzufragen - hach, es wäre ein absolutes Traumtreffen. So wüßte ich gerne, wer oder was sie spirituell anleitete? Woher stammt die Affinität zum Schamanismus? Die tiefen Bindungen zu einem Pferd, die in ihren Büchern immer wieder auftauchen, sind sie rein ihrer Phantasie entsprungen oder besaß sie je ein Pferd? Welche ihrer Reise ging besonders tief und veränderte sie? Wie war die Zeit bei den Tuareg? Welche Eigenschaft schätzt sie besonders an ihrem Mann? Gibt es ein Buch das sie nun - rückblickend aus dem Alter - anders schreiben würde? Hat sie selbst ein Lieblingsbuch? Auch unter ihren eigenen? Wer inspirierte sie in der suchenden Zeit der Pupertät? Ach, da fiele mir einiges ein, nachzuhaken!

Als begleitendes Essen suchte ich ein Gericht heraus, das der Garten und die Saison anbietet und ich mit viel Genuß sehr ähnlich gerade erst erneut wieder zubereitete: die Polenta aus frischem Mais (hier plus Erbsen) mit Tomaten-Auberginen-Sauce


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